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Hochwasserschutz für die Aarequartiere
Die Aare tritt bei grossen Wassermengen immer wieder über die Ufer und verursacht grosse Schäden. Durch bauliche Massnahmen wird das Ufergebiet nun auf einer Länge von rund 6 km besser vor Hochwasser geschützt. Gleichzeitig wird das beliebte Naherholungsgebiet ökologisch aufgewertet. Aline Wicki und Isabel Blatter, Geografinnen am Standort Bern, wirken an einem der bedeutendsten Stadtprojekte mit. Und das an einem Ort, den sie sehr gut kennen und selbst gerne nutzen. TBF begleitet das Projekt in den Funktionen Bauherrenunterstützung und Oberbauleitung.
Bern und Aare im Einklang
Entlang der Aare entsteht eines der grössten städtischen Bauprojekte Berns: ein umfassender Hochwasserschutz zwischen dem Tierpark und der Engehalde. Spätestens nach den Überschwemmungen von 1999 und 2005 ist klar, dass die bisherigen Schutzmassnahmen nicht ausreichen. Zukünftig schützen Dämme, Mauern und landschaftliche Anpassungen die dicht besiedelten Quartiere, ergänzt durch neue Drainageleitungen und Pumpwerke. In diesem Zuge werden auch die Werkleitungen saniert. Die Bauarbeiten erfolgen etappenweise über rund acht Jahre.

Aline und Isabel, was bedeutet es für euch, an einem Projekt zu arbeiten, das für Bern so relevant ist?
Aline: Ich finde es spannend, ein so grosses Projekt an einem mir vertrauten Ort begleiten zu dürfen. Seit ich 2024 zum Projekt dazugestossen bin, erlebe ich, wie komplex dieses Vorhaben ist. Besonders jetzt in der Realisierung ist pragmatisches Vorgehen gefragt. An der Aare herrscht immer reger Betrieb. Und genau dort muss gebaut werden – da prallen unterschiedlichste Bedürfnisse und Vorstellungen aufeinander.
Isabel: Ich lebe in Bern, gehe selbst gerne an der Aare joggen und schwimmen. Besonders im Sommer verbringe ich viel Zeit dort. Sehr viele Menschen sind von diesem Projekt betroffen, so auch ich. Durch die direkte Beteiligung am Projekt verstehe ich, was dahintersteckt: den grossen Planungsaufwand, die vielen Abwägungen, wie man versucht, die Einschränkungen erträglich zu gestalten. Das ist eine wertvolle Perspektive. Zudem kann ich an etwas mitwirken, das die Stadt, in der ich lebe, nachhaltig schützt.

Wann wird’s richtig schwierig, und was hilft dann?
Aline: Der öffentliche Raum steht wegen der Sicherheitsvorgaben nun temporär nur eingeschränkt zur Verfügung. An der Aare herrscht abschnittsweise ein Schwimm- und Bootfahrverbot, Zugänge sind teilweise geschlossen. Das alles in einem Gebiet, das sonst stark und divers genutzt wird. Hier in Bern sind wir alle von den Einschränkungen betroffen und so kann man sich gut in die Menschen hineinversetzen. Wir unterstützen die Stadt eng bei der Koordination aller Beteiligten und Betroffenen. Das Suchen des Dialogs und gegenseitiges Verständnis kann oft viel bewegen.
Was unterscheidet dieses Projekt von anderen?
Isabel: Dieses Projekt wurde schon 2006 angestossen. Es ist ein Generationenprojekt. Die Planung war entsprechend umfangreich und komplex. Wir arbeiten mitten im innerstädtischen Raum und direkt am Wasser. Die wasserbaulichen Massnahmen können beispielsweise nur im Winter durchgeführt werden. Zudem erstreckt sich das Projekt über die ganze Länge des Aareraums. Der Projektperimeter liegt teilweise im UNESCO-Weltkulturerbe und Schutzmassnahmen müssen sich ins historische Stadtbild einfügen. Das gelingt nur durch enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachdisziplinen. Und natürlich: Der Nutzungsdruck ist enorm. All das macht die Planung und Realisierung so anspruchsvoll, aber genau das fasziniert mich daran.

